Fenster und Außentüren sind multifunktionale Bauteile, die eine Vielzahl von Eigenschaften erfüllen müssen. Im Holzbau sind althergebrachte Regeln und Ansichten zu deren Montage nicht uneingeschränkt richtig. Wir klären auf.
Handwerker kennen das Problem – wird die Schlussrate fällig, kommt der Sachverständige des Bauherrn. In diesen Fällen wird nicht immer mit Sachverstand darauf geachtet, ob eine Abweichung von einem Regelwerk überhaupt zu einem Bauschaden führen kann oder nicht – jede Abweichung von Normen, Regelwerken, Richtlinien etc. wird unmittelbar als Baumangel gerügt, mit den entsprechenden Konsequenzen. Gerade auch die verschiedenen Richtlinien und Regelwerke zum Fenstereinbau sind dann Grundlage von Beanstandungen. Dabei gilt, dass Richtlinien und Regelwerke nicht grundsätzlich zwingend sind und die Nichteinhaltung nicht zwangsläufig einen Baumangel darstellt. Richtlinien und Merkblätter berücksichtigen die unterschiedlichsten in Frage kommenden negativen Randbedingungen, um eine einzige Regel für alle Situationen zu erarbeiten. Nur selten sind in Regelwerken Anforderungen differenziert – meist sind sie pauschaliert für den „worst case.“
Die bisher vorhandenen Richtlinien und Regelwerke sowie der Stand der Technik berücksichtigen die konstruktiven und bauphysikalischen Besonderheiten des Holzbaues nur ungenügend. Besonders die im Massivbau vorhandene Nassbauweise mit der daraus resultierenden sehr hohen Baufeuchte in den Anschlussbereichen des Fensters ist im Holzbau nicht vorhanden. Schäden infolge Feuchteeinwirkung durch Kondensation sind im Holzbau im Gegensatz zum Mauerwerksbau fast nicht anzutreffen. Auch die elastomechanischen Eigenschaften der Hölzer, sowie die daraus resultierenden konstruktiven Möglichkeiten eröffnen im Holzbau andere Wege des Fenstereinbaus wie im konventionellen Massivbau.
Was muss beim Fenstereinbau beachtet werden?
Allerdings ist es auch im Holzbau nicht einfach damit getan, ein Fenster mit Krallen oder Schrauben mehr oder weniger passend zwischen die Holzstiele zu schrauben und die Fugen anschließend mit PU-Schaum zu verfüllen. Der Einbau hat eine Vielzahl bautechnischer und bauphysikalischer Anforderungen zu genügen. Dies sind im Einzelnen:
- Statik
- Witterungsschutz
- Tauwasserschutz
- Wärmebrücken
- Luftdichtigkeit
- Schallschutz
- Brandschutz

Statik und Befestigung
Die Anforderungen an Konstruktion und Befestigung resultieren aus verschiedenen Einwirkungen, und zwar zum einen klimatisch bedingt (Wind, Sonne, Wärme, Frost und Regen), nutzungsbedingt (Formänderung durch Temperatur, Feuchte, Krafteinwirkung aus der Nutzung wie offene Fensterflügel) oder bauteilbedingt wie etwa durch Formänderungen aus den lastabtragenden Bauteilen und dem Gewicht der Fensterelemente. Das vorgenannte Paket der unterschiedlichen Lasteintragungen bewirkt eine horizontale und eine vertikale Komponente, sowie von Fall zu Fall auch daraus resultierende Momente.
Die Befestigung erfolgt in der Regel über Schrauben, Anker, Laschen und Dübel. Die vertikalen Lasten werden dabei durch Unterklotzungen abgetragen, die horizontalen Lasten und Momente durch die Befestigungen des Blendrahmens an den Umfassungsbauteilen. Die Befestigung muss unter Umständen in der Lage sein, Formänderungen der Bauteile schadensfrei aufzunehmen. Insofern sind auch gewisse Mindestfugenweiten zwischen Blendrahmen und der Konstruktion erforderlich. In der Regel sind 10 mm erforderlich, bei Kunststoff- und Metallfenstern ab 3,0 m Rahmenweite mindestens 15 mm.
Bei einer sorgfältigen Auswahl der Befestigungsmittel reicht bei einer Einbauhöhe bis 8,0 m bei Kunststofffenstern ein Abstand der Befestigungen im Blendrahmen von 900 mm, bei sonstigen Fenstern bis 1.000 mm aus. In den derzeitigen Regelwerken, die sich am Mauerwerksbau orientieren, werden die Befestigungsabstände mit 800 mm benannt. Dies würde bei üblichen bodentiefen Fensterelementen von etwa 2,10 m zu einem zusätzlichen Befestigungspunkt führen, der sich jedoch in der Praxis des Holzbaus als unnötig erwiesen hat. Die auf ein Fensterelement einwirkenden Momente durch das Gewicht des Flügels benötigen in Abhängigkeit von den gewählten Befestigungsmittel auch eine entsprechende Verklotzung im Bereich des unteren Ecklagers.
Witterungsschutz
Unter dem Witterungsschutz versteht man den Schutz vor Schlagregen, Windeinwirkung und unter Umständen UV-Strahlung. Zum Schutz gegen Schlagregen sind entsprechende Fugenausbildungen der Anschlussfugen nach außen nötig. Die Ausbildung kann konstruktiv erfolgen oder auch mit entsprechenden Dichtmitteln. Bauschäume, die zur Verfüllung der Fugen eingesetzt werden, sind an sich, sofern sie unmittelbar beansprucht werden, nicht schlagregensicher und auch nicht UV-beständig. Insbesondere bei Putzfassaden kommt es immer wieder vor, dass der Putz ohne elastische oder plastische Andichtung gegen das Fenster geführt wird. Die unterschiedlichen Formänderungen des Fensters einerseits sowie der Fassade und der Putzfläche andererseits führen dann zu unansehnlichen Abrissen und zu Leckagen, wodurch der Schlagregenschutz nicht mehr sichergestellt ist. Putzfassaden sind mit entsprechenden Systemprofilen an die Fensterelemente anzuschließen oder aber mit geeigneten Dichtungsbändern oder fachgerechten plastischen Fugen.

Ein häufiger Mangelpunkt beim Fenstereinbau ist die Ecke zwischen Blendrahmen und Fensterbank und Laibung. Zunächst ist darauf zu achten, dass die Fensterbank ein ausreichendes Gefälle nach außen aufweist, in der Regel > 5 %. Der Überstand der Fensterbank muss mindestens 20 mm über die Fassade betragen, besser sind 30 mm. Eine wasserableitende Folie als Sekundärdichtung unterhalb der Fensterbank ist generell empfehlenswert, sofern eine ausreichende Dichtwirkung der Bank nicht gewährleistet werden kann. Anstelle einer Folie ist allerdings hier auch eine Abdichtung mit streichfähigen Dichtstoffen möglich und hat sich auch relativ gut in den komplizierten Ecken bewehrt. Die Endkappen der Fensterbänke sollen in die Fassade respektive Laibung eingreifen, damit die Abdichtung konstruktiv erfolgt und nicht nur plastisch oder elastisch. Die Enden der Fensterbänke sind mit geeigneten Schaumstoffdichtungen abzudecken oder freizulegen und plastisch zu versiegeln.
Wärmeschutz

Die Fenster selbst sind davon allerdings ausgenommen. Hier gilt die DIN EN ISO 13788. Kondensat an Fensterelementen kann bei vertretbaren Gestehungskosten nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.
Allerdings ist der Holzbau hier insgesamt gegenüber dem Massivbau deutlich im Vorteil, weil die günstigen wärmetechnischen Eigenschaften des Massivholzes auch bei wenig optimierten Anschlüssen sich günstiger verhalten.
Tauwasser
In den im Markt befindlichen Regelwerken zum Fenstereinbau wird darauf hingewiesen, dass die Dichtung der Anschlussfuge des Blendrahmens an die Konstruktion innen dampfdichter ausgeführt werden muss als außen. Dies mag im Mauerwerksbau richtig sein, da hier durch die hohe Bauwerksfeuchte des Mauerwerks eine nahezu feuchtegesättigte Luft im Bereich der Anschlussfuge vorliegt. Im Holzbau fehlt jedoch diese Bauwerksfeuchte. Der Abschluss der Anschlussfuge innen und außen ist deshalb diffusionstechnisch im Holzbau nicht von Bedeutung. Die raumseitige Dampfbremsfolie muss also nicht in der Laibung herumgeführt werden und dann am Fenster diffusionsdicht angeschlossen werden. Es genügt, wenn die Dampfbremsfolie bis zur Ecke des Holzstiels in der Fläche geführt wird.
Luftdichtheit

Zunächst ist wichtig zu wissen, dass Merkblätter, Beispielzeichnungen und Vorschläge zur Durchbildung grundsätzlich nicht verpflichtend sind. Es bleibt stets dem Hersteller überlassen, wie er eine ausreichende Luftdichte herstellt. Entscheidend ist letztendlich, dass die einzuhaltenden Grenzwerte der Luftdichtung nicht überschritten werden und dies dauerhaft. Allerdings ist durch den Planer festzulegen, welcher Baustoff an einem Objekt die Funktion der Luftdichtung übernimmt, also etwa eine Folie oder die OSB-Platte oder die Gipswerkstoffplatte. Alle diese Materialien sind geeignet, die Luftdichtung herzustellen. Nach der DIN 4108 -7 können die Anschlüsse der luftdichten Flächen untereinander mit Dichtbändern, Dichtprofile, Klebebändern oder plastischen Dichtstoffen hergestellt werden.